Warum Musikvideos ?

Vergangenheit

Die Geschichte von Musikvideos ist noch nicht sehr alt. Früher bestanden Musikinhalte im Fernsehen hauptsächlich aus Live-Auftritten in entsprechenden Sendungen. Dabei wurde nicht immer live gespielt, es wurde oft im Halb- oder Vollplaybackverfahren gesungen, wobei die Künstler aber immer persönlich anwesend waren. Beispiele für diese Sendungen waren die Hitparade mit Dieter Thomas Heck oder Disco mit Ilia Richter.

Es wird oft darüber gestritten, welches das erste Musikvideo überhaupt war. Abgesehen von einigen Promo-Videos, die ab 1966 von z.B. den Kinks oder den Beatles gedreht wurden, wird oft gerne das Video zu "Bohemian Rhapsody" von Queen aus dem Jahr 1975 als das erste Musikvideo überhaupt genannt. Dieses Video wurde gedreht, weil eine Live-Aufführung des Stückes viel zu aufwändig gewesen wäre. Das erste Musikvideo, das die Form hatte, so wie wir heute Musikvideos definieren, war "Hell on Wheels" von Cher aus dem Jahr 1979.

Musikvideos hatten bis in die frühen 80er Jahre bei uns so gut wie keine Bedeutung. Das änderte sich mit dem Erscheinen der Musiksendung "Formel 1", die in der ARD ab dem Jahr 1983 mit Peter Illmann startete. Mit ihr setzte in Deutschland ein wahrer Videoboom ein. Wer etwas auf sich hielt, musste für eine Darbietung in dieser Sendung ein Musikvideo haben. Hatte ein Künstler noch kein Video, so wurde er persönlich eingeladen, wobei sein Auftritt in der Sendung mitgeschnitten wurde und er dieses Video als sein Musikvideo verwenden durfte. MTV war zu dieser Zeit nur in den USA empfangbar. Das erste Video, das auf MTV gesendet wurde, war treffenderweise "Video killed the Radio Star" von den Buggles.

Im Laufe der Zeit folgten die teuersten und aufwändigsten Videoproduktionen. Highlights waren z.B. für das teuerste Video "Scream" von Michael Jackson mit über 7 Millionen Dollar, aber auch Produktionen von z.B. Duran Duran mit "Wild Boys" kosteten schon über 1 Million Dollar. Es entstanden sogar kleine "Kinoproduktionen", das bekannteste Beispiel hierfür dürfte "Thriller" von Michael Jackson sein, das 15 Minuten lang dauerte.

1990 wurde die Sendung "Formel 1" eingestellt und Musikvideos verloren in Deutschland rasant an Bedeutung. Seit Anfang der 90er Jahre gingen in Deutschlang MTV und Viva an den Start, wobei auf Viva auch deutschsprachige Inhalte gesendet wurden.

Gegenwart

Musikvideos kann man als Radiosingle für das Fernsehen betrachten. Die Spielzeit des Musikvideos ist die gleiche, die Audiospur ist meist mit der der CD identisch. Das Musikvideo dient hauptsächlich dazu, dass es in den einschlägigen Sendungen gespielt wird. Da Musikvideos (noch nicht) auf einen Datenträger erhältich sind, dienen sie hauptsächlich als Promotion für den Interpreten und als Kaufanreiz, um die CD zu kaufen. Plattenfirmen werden also daher keine Musikvideos produzieren lassen, wenn sie nicht an den durschlagenden Erfolg des Titels glauben.

Durch ein Überangebot von Musikvideos und im Vergleich dazu wenig Sendeplätzen hat heute ein Musikvideo relativ wenig Chancen, in einer solchen Sendung gespielt zu werden. Am meisten werden Videos von bekannten Interpreten oder Titeln gespielt. Das begründet sich darin, dass sich ein Sender durch Werbung finanziert, deren Wert mit den Einschaltquoten steigt oder sinkt.

Zukunft

Musiksender, wie MTV oder Viva spielen immer weniger Musikinhalte. Waren früher ausnahmslos nur Videoclips auf diesen Sendern zu sehen, so werden heute immer mehr "normale" Sendungen gezeigt und immer weniger Musikvideos. Das ist die Reaktion dieser Sender auf die immer kleiner werdende Attraktivität der Musikclips auf den Fernsehkonsumenten und die dadurch schwindenden Werbeeinnahmen.

Es werden auch immer weniger Tonträger verkauft. Das hat auch direkten Einfluss auf das Budget von heutigen Musikvideoproduktionen. Die Beträge, für die früher Musikvideos produziert wurden, sind heute meist höher als die zu erwartenden Einnahmen durch den Tonträgerverkauf. Meist wird von den Plattenfirmen kein Video mehr in Auftrag gegeben, da die Produktion nicht mehr lohnt.

Gleichzeitig haben sich aber die Möglichkeiten erweitert, ein Musikvideo vorzustellen. Wird heute im Internet nach Musiktiteln gesucht, so werden in den meisten Fällen Videoplattformen wie Youtube oder Myvideo dafür genutzt. Hier gibt es die Möglichkeit, kostenlas sein Video einer grossen Anzahl an Menschen vorzustellen und seinen Titel bekanntzumachen. Betrachtet man das Musikvideo als eine Art "Verpackung" des Titels, so macht es durchaus Sinn, ein attraktives Musikvideo für sein Lied produzieren zu lassen. Youtube ist sogar für viele Interpreten und Bands die einzige Möglichkeit, an die Allgemeinheit zu treten und auf sich aufmerksam zu machen.

Ein Musikvideo, gekoppelt an die Musik-CD als Multimediainhalt kann ein zusätzlicher Kaufanreiz sein. Ist das Musikvideo Bestandteil der Kauf-CD oder sogar DVD, so gibt das Video dem Künstler zusätzliche Möglichkeiten, seinen Titel zu interpretieren. Gute visuelle Inhalte lassen einen Zuschauer einen Titel kaufen, den er als reinen Tonträger vielleicht nicht kaufen würde.

Die heutigen Downloadplattformen (Itunes,  Musicload, amazon usw.) lassen immer mehr auch den käuflichen Erwerb von Musikvideos zu, so dass sich damit für den Künstler eine zusätzliche Einnahmequelle erschliesst. 

 
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